Manfred Wolfhard

Familiengeschichte

Johannes Wolfhard (D12;15),

Schmied und Bürgermeister in Dühren (1786-1865)

und seine Nachkommen

Johannes (II:) war das zehnte von den elf Kindern des Dührener Küfers Johannes (I.) Wolfhard (11;12) und seiner Frau Anna Maria geborene Landes. Er wurde am 01. Februar 1786 geboren und war beim Tod des Vaters (18.02.1791) gerade fünf Jahre alt geworden. Seine Schulzeit verbrachte er in jenen unruhigen Jahren, als der Kraichgau Aufmarschgebiet und Bereitstellungsraum kaiserlicher reichsdeutscher Truppen war, die die französischen Revolutionstruppen abwehren sollten. Diese hatten bereits linksrheinisches Gebiet besetzt. Aber: Ob kaiserlich oder dann napoleonisch – die Bevölkerung musste immer die Suppe auslöffeln, die die Herrschaften in ihrem Machtstreben angerichtet hatten. Die Auswirkungen der Kriegsereignisse auf die Dührener Bevölkerung wurden bereits im vorigen Kapitel beschrieben.

Mit elf Jahren verlor Johannes auch noch die Mutter (24.08.1797). Wie er seine weitere Jugend verbrachte, ist unbekannt. Nach der Schule lernte er das Schmiedehandwerk, das damals zu den angesehensten eines Dorfes zählte und auf einen kräftigen Burschen hindeutet. Er heiratete mit 25 Jahren am 29. September 1811 die 21-jährige Weberstochter Barbara Volz aus Weiler. Wann er sich selbständig machte, ist nicht bekannt. Berücksichtigt man die damaligen Gepflogenheiten, so erfolgte vor der Eheschließung die berufliche Absicherung.

Der junge Hufschmied-meister und seine Frau konnten also ihren gemeinsamen Eheweg trotz unruhiger Zeit und verbreiteter Not in einigermaßen verläss-lichen wirtschaftlichen Verhältnissen begin- nen. Am 5. Januar 1813 wurde dann der erste Sohn des jungen Ehepaars geboren, Georg Ulrich (D13;25). Im Taufbuch vermerk- te der Pfarrer, dass der Januar dieses Jahres so kalt war, dass die Taufe im Pfarrhaus stattfinden musste. Georg Ulrich starb am 14.Mai 1845 im Alter von 32 Jahren.

Die weiteren Kinder waren:
(D13;26) Johann Martin *13.08.1815 er starb ledig mit 23 Jahren am 16.06.1839. Die Todesursache ist nicht vermerkt.
(D13;27) Johannes  (III:)  *16.01.1819 ∞22.05.1845 mit Elisabetha geb. Roß, verwitwete Wolfhard, †28.10.1894.
(D13;28) Susanna Margaretha *16.02.1822, ∞ am 02.06.1842 Johann Conrad Berg, Bäckermeister in Heilbronn.
(D13;29) Friederica Wilhelmina * 06.05.1826, ∞ am 16.05.1850 mit Metzgermeister Georg Geiser aus Hilsbach.
(D13;30) Johann Georg *17.10.1830 ∞1. mit Maria geborene Wörner, ∞2. mit Maria geborene Becker.

Dorfschulze aus dem Odenwald. Bürgermeister Johannes Wolfhard hat sicher nicht viel anders ausgesehen.

Neben seinem erlernten Beruf als Hufschmied wird Johannes als Rentmeister, Gemeinde-rechner und Gemeinderat erwähnt, ab Mitte der 1840er Jahre ist er Bürgermeister. (1) Wolfgang Vögele gibt als seine Amtszeit die Jahre 1844 bis 1852 an. (2)  Als Bürgermeister war er 1849 mit der Beschlagnahme des Vermögens des 1848er-Revolutionärs Peter Spieß befasst. (3)   Über sein Verhalten während des bürgerlich-demokratischen Aufstandes dieser Jahre ist nichts überliefert, doch sein Mitwirken an der Aufarbeitung der Ereignisse lässt auf Loyalität gegenüber der monarchistischen Staatsordnung schließen.

Schmiedemeistersfrau Barbara starb am 18. März 1851. Sie war 61 Jahre alt. Johannes, mit 65 Jahren verwitwet, beendete 1852 seine Amtszeit als Bürgermeister. Wann er den Schmiedehammer aus der Hand gelegt hat, ist nicht überliefert. Er starb am 03.03.1865 im Alter von 79 Jahren. Seinen ältesten Sohn hatte er um 20 Jahre überlebt, an Studium und Vikarszeit seines jüngsten Sohnes durfte er sich noch erfreuen.

Die Bürgermeisters-/Schmiedfamilie bemühte sich fürsorglich um den weiteren Lebensweg ihrer Kinder:

Der älteste Sohn, Georg Ulrich, (D13;25) lernte das Handwerk seines Vaters. Er heiratete am 21 Mai 1840 die 24-jährige Bauerntochter Maria Barbara Ritzhaupt aus Hoffenheim. Das Ehepaar ließ sich in Dühren nieder und hatte zwei Kinder: Johann Georg Heinrich *08.09.1841 (D14;27) und Maria Friederike *05.02.1844 (D14;28). Georg Ulrich war nur ein kurzes Leben beschieden. Er starb im Alter von 32 Jahren am 14. Mai 1845. Die Todesursache gibt der Pfarrer nicht an. Seine Witwe heiratete am 05.04.1847 den Bauern Georg Heinrich Beck. Johann Georg Heinrich (D14;27), war Bauer wie sein Vater, heiratete am 13.01.1867 die 22-jährige Elise Schneider, und Sohn Heinrich Dionys (D15;32) kam am 18.06. des gleichen Jahres zur Welt. Nachkommen von Heinrich Dionys, verheiratet mit Katharina Salzgeber, leben noch in Dühren.

Der zweite Sohn der Bürgermeisters-/Schmiedfmilie starb bereits mit 23 Jahren ledig, der dritte Sohn Johannes (III.) (D13;27) war Bauer. Er heiratete am 22.05.1845 die Witwe seines Cousins Johann Georg (D13;19), die aus Hilsbach stammende Elisabeth geb. Roß. Ihr Vater war Bäckermeister, Gemeinderat und Waisenrichter in Hilsbach. Sie wurde am 23.08.1810 geboren, war also acht Jahre älter als ihr zweiter Mann. In jeder ihrer beiden Ehen gebar sie vier Kinder und starb mit 75 Jahren am 17.12.1885. Johannes starb am 28.10.1894. Elisabeth geb. Roß ist also Stammmutter zweier Zweige der Dührener Wolfhard - Familien.

Die beiden Mädchen der Schmied-/Bürgermeistersfamilie wurden gut verheiratet: Susanna Margaretha (D13;28) ehelichte den Bäckermeister Berg aus Heilbronn, Friederica Wilhelmina (D13;29) den Witwer und Metzgermeister Georg Geiser aus Hilsbach. Damit hatten beide Mädchen eine sichere bürgerliche Existenz.



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Johann Georg (D13;20)

der jüngste Sohn, besuchte nach der Volksschule die Lateinschule in Sinsheim und nahm 1859 das Studium der Theologie in Tübingen auf. (4) 1862 wechselte er nach Heidelberg und wurde 1863 Vikar in Grünwettersbach, 1867 bis 1903 war er Pfarrer in Ihringen (Kaiserstuhl). Die feste Stelle erlaubte nun auch die Eheschließung. Maria Margaretha Wörner aus Grözingen im Königreich Württemberg war die Auserwählte. (Hochzeit am 02,05.1867). Der Familie war nur ein kurzes Glück beschieden. Maria Margaretha starb schon am 20.Dezember 1870. Ihr Tod war ein gewaltiger Schlag für die Familie. Anfang 1871 bat Johann Georg um Entlastung wegen eines Herzleidens. Am 26. April 1871 erwähnte er in einem erneuten Urlaubsantrag die schwere Heimsuchung seiner Familie und erhielt einen dreiwöchigen Urlaub. Sohn Adolf war drei Jahre alt, der Vater krank und wenig belastbar. Die Situation stabilisierte sich erst wieder, als Johann Georg am 27.05.1872 Maria Becker heiratete.

Johann Georg konnte nun an den Neubau der Kirche gehen. Da Ihringen vor der Entstehung des Großherzog- tums Baden (1806) zur Markgrafschaft Baden – Hachberg gehörte, war es in- mitten eines katho- lischen Umlandes seit 1556 die einzige lutherische Gemein- de. Die alte Kirche war schadhaft und eng geworden, so dass 1874 bis 1877 ein Neubau notwen- dig wurde. Dieser repräsentiert in neoromanischem Stil das Selbstbewusstsein der Protestanten im Großherzogtum Baden.

In allen Visitationsbe- richten und Prüfungs- dokumenten werden durchdachte Predig- ten, die Akkuratesse und die Sorgfalt seines Arbeitens hervorgehoben. Sein erfolgreiches Wirken in Ihringen führte dazu, dass er 1892 zum Dekan des Kirchenbezirks Freiburg gewählt wurde. 1892, 1894 und 1899 war er auch Mitglied der Landessynode.

Johann Georg starb am 23. Oktober 1907.

Der Sohn Johann Georgs, Karl Adolf  (*26.03.1868,  †11.09.1935) (14;33), studierte ebenfalls Theologie und wurde Pfarrer. (5)  Geboren wurde er in Ihringen. Von 1881 bis 1886 besuchte er das Gymnasium in Freiburg. Nach dem Studium in Tübingen, Heidelberg und Gießen wurde er 1897 Pfarrer in Bischoffingen (Kaiserstuhl), das wie Ihringen zu Baden-Hachberg gehört hatte. 1905 wechselte er nach Kork, 1910 wurde er Pfarrer der Nordstadtpfarrei in Durlach.

Über sein Wirken hier informiert die Website der Nordstadtpfarrei Durlach:
„Zunächst ist der von 1910 bis 1935 amtierende Pfarrer Karl Adolf Wolfhard (1868-1935) zu nennen, dessen Vater Johann Georg (1830-1907) bereits Dekan und Mitglied der Generalsynode war. Adolf Wolfhard war für kurze Zeit 1895 Sekretär im Evangelischen Oberkirchenrat und kam nach einigen Stationen nach Durlach in eine boomende Industriestadt, deren sozialdemokratischen Funktionären und Propagandisten entgegen zu treten er sich nicht scheute. In Durlach war er die prägende Pfarrergestalt, die dann ab der zweiten Hälfte der 20er Jahre noch vielfältig in verantwortliche Positionen aufrückte: 1927 zum Kirchenrat ernannt, fungierte Wolfhard von 1931 bis 1935 als Vorsitzender des Landesvereins für Innere Mission und war 1932 und 1934 in der Landessynode vertreten.“

Ein Foto anlässlich eines Pfarrkonvents in Durlach im Herbst 1919 zeigt ihn als dritten von links stehend in der hinteren  Reihe.

(Bildquelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe, Bestand 154, Signatur Nr 645)









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Verheiratet war Adolf Wolfhard mit der Pfarrerstochter Mathilde Guth. Er starb am
11.September 1935. Mathilde lebte noch bis zum 27. März 1967. Sohn Herbert Wolfhard blieb in Deutschland. Nachkommen von ihm leben in Singen am Hohentwiel. Sohn Wolfgang wanderte 1929 nach Kanada aus. Nachkommen von ihm haben sich aus Vancouver (Kanada) gemeldet.











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Das badische Pfarrerbuch  (6)  erwähnt die folgenden Stationen des Lebenswegs von Pfarrer Adolf Wolfhard:


In einem Nachruf des „Residenz – Anzeigers“ vom 26./27.10.1935 hebt Otto Michaeli die literarische Arbeit Adolf Wolfhards hervor:















Anmerkungen:

(1) Kirchenbuch Dühren. Trauungen, z.B. 21. Mai 1840, Eheschließung des Sohnes Georg Ulrich: "Georg Ulrich Wolffhart neu angehender Bürger und Schmidtmeister zu Dühren, des dortigen Bürgers und Schmiedtmeisters, auch d.Z. Gemeinde Raths, Johann Wolffhart, mit seiner Ehefrau Barbara geborene Volz erzeugter lediger Sohn..."                                                                                                                                   oder 22. Mai 1845, Eheschließung des Sohnes Johannes:   "... Johannes Wolffhardt, neuangehender Bürger und Bauer dahier, ehelich lediger Sohn des Johannes Wolfhardt, hiesigen Bürgers und Schmiedmeisters, auch derzeitigen Bürgermeisters, und dessen Ehefrau Barbara geborene Volz ..."

(2) Wolfgang Vögele: Dühren, aus der Geschichte eines Kraichgaudorfes, Sinsheim 1988, Seite 174

(3) Ebd. Seite 109

(4) Alle Angaben zum Leben des  Johann Georg Wolfhard sind seiner Personalakte im Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe entnommen.

(5) Die Angaben zum Leben Adolf Wolfhards sind seiner Personalakte im Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe entnommen

(6) Heinrich Neu: Pfarrerbuch der evangelischen Kirche Badens von der Reformation bis zur Gegenwart, Schauenburg 1938, Seite 677