Manfred Wolfhard

Familiengeschichte

Johannes Wolfhard, Bürger und Küfer (1744 bis 1791)

In der 11. Generation nach dem Waiblinger Urvater Haintz Wolfhard setzte bei dem Kraichgauer Zweig der Familie eine enorme Zunahme der Kinderzahl ein. Die vier Brüder Johann Georg Wolfhard (10;1) Alexander Wolfhard (10;2), Johann Conrad Wolfhard (10;3) und Georg Friedrich Wolfhard (10;4) brachten es in dieser 11. Generation auf 30 Nachkommen. Die 12. Generation konnte bereits auf 37 Geburten blicken. Allerdings war die Kindersterblichkeit noch sehr hoch.

Die gegenwärtig lebenden Wolfhards der Dührener Linien und des Michelfelder Zweigs der Familie gehen auf den Sohn des Alexander III (10;2). , Johannes (11;12) und seine Frau Anna Maria, geb. Landes, zurück. Beide lebten in Dühren und hatten 11 Kinder, von denen sieben, drei Buben und 4 Mädchen, das Erwachsenenalter erreichten.
Johannes (11;12) war Küfer wie sein Vater Alexander (10;2). Als dieser 1771 starb, war Johannes 27 Jahre alt und hat die elterliche Küferwerkstatt übernommen. Über seinen Alltag lässt sich wenig berichten.

1771 heiratete er im Alter von 27 Jahren die 20-jährige Anna Maria Landes aus Eichtersheim. Das genaue Hochzeitsdatum ist nicht überliefert. Das Paar lebte dann in Dühren und hatte 11 Kinder:

(12;6) *25.10.1772 Marie Catharina (gestorben an “Gichtern”) †05.11.1772

(12;7) *21.03.1774 Susanna Maria, ∞ Johannes Allgeier am 13.05.1794 †1830

(12;8) *08.10.1775 Anna Maria, ∞ Johann Conrad Allgeier am 19.02.1798

(12;9) *23.05.1777 Johann Michael †15.08.1777

(12;10) *14.08.1778 Johann Michael, ∞ Sus. Marg. Allgeier am 05.05. 1801 †1834

(12;11) *12.02.1780 Anna Margaretha. (gestorben an “Auszehrung”) †02.05.1797

(12;12) *22.09.1781 Maria Elisabetha †16.11.1781

(12;13) *02.02.1783 Maria Elisabetha, ∞ Ulrich Allgeier, Küfermeister 03.05.1803

(12;14) *26.07.1784 Johann Georg, ∞ 28.06.1805 Katharina. Margaretha. Elisabetha Lutz, Michelfeld

(12;16) *01.02.1786 Johannes ∞ Barbara Volz, Weiler †03.03.1865

(12;17) *16.09.1787 Georg Friedrich

Darlehensvertrag des Johannes Wolfhard und seiner Frau Anna Maria mit der Ortsherrschaft .

Am 17. Februar 1791 – kurz vor seinem Tod – nahm Johannes bei der Ortsherrschaft ein Darlehen von 400 Gulden auf. Knapp einen Monat später, am 12.03.1791, starb er. Der Pfarrer gab  „Brust-krankheit“ als Todesursache an. Beim Tod des Vaters war die älteste Tochter Susanna Maria 17 Jahre alt, Johann Georg, der später nach Michelfeld heiratete und den Michelfelder Zweig der Familie begründete, war sechs Jahre alt. Für Anna Maria, die 40-jährige Witwe, gewiss keine leichte Aufgabe: Schulden, Kinder, drohende Kriegszeiten.


In Frankreich wirbelte die Revolution seit 1789 Adel, Bürger und Bauern blutig durcheinander. Die Revolutionstruppen schickten sich an, die linksrheinischen deutschen Gebiete zu besetzen, und die Großmächte Österreich und Preußen rüsteten für einen Krieg gegen den Nachbarstaat, um Ludwig XVI. beizuspringen. Das misslang gründlich. Was die französischen Revolutionäre von der Kriegsdrohung hielten, hat der Karikaturist treffend dargestellt: Marianne putzt sich mit dem Dokument das Hinterteil.

In der ersten Hälfte der 1790er Jahre konzentrierten sich die Kämpfe zwar auf linksrheinisches Gebiet, doch waren rechtsrheinisch die Truppenaufmärsche eine starke Belastung für die Landbevölkerung. Die Soldaten mussten samt ihren Pferden verpflegt und untergebracht werden. Sie wurden in Familien einquartiert, die selbst kaum das Nötigste zum Leben hatten. Auch für Dühren eine enorme Belastung. Als dann die Kämpfe auch auf rechtsrheinisches Gebiet übergriffen, steigerte sich das Leiden der Bevölkerung bis ins Unerträgliche. Man war in diesen Jahren sowieso nicht zart besaitet, doch führte die allgemeine Verrohung zu ersten Todesopfern. 1794 wurde vor dem Wirtshaus zum „Ritter“ ein Schmiedknecht „hinterlistig und mörderischer Weise mit einem Prügel totgeschlagen“ (1). 1795 erfahren wir von einem Kriegsflüchtling.(2)   Einem Raubmord fiel 1796 Johannes Dörr, der 18-jährige Sohn des Rösselwirts, im Wald zwischen Elsenz und Waldangelloch zum Opfer. Er wurde „da er zum Kälber Einkauf zu Elsenz war … von einem Kaiserl. Ungarischen Soldaten mörderischer Weise geschlagen und dabey seines Geldes und seiner Sackuhr beraubet …“ (3)

Ein übles Verbrechen erschütterte im Dezember 1797 die Dührener Bevölkerung: Ein kaiserliches Transportbataillon übernachtete im Dorf und verlangte am nächsten Morgen, dass die Bauern Wagen, Gespanne und Vorspanndienste nach Mainz stellen sollten. Dies überstieg die Möglichkeiten des Dorfes weit. Als die Fuhrknechte den Bürgern ihre Wagen mit Gewalt wegnehmen wollten, kam es zu Handgreiflichkeiten, bei denen der Schneidermeister Balthasar Müller erschlagen wurde. (4)

Anna Maria Wolfhard geb. Landes starb am 24. August 1797, 47 Jahre alt. Während die drei älteren Kinder durchaus auf eigenen Beinen stehen konnten, waren die vier jüngeren Kinder 14, 13, 11 und 10 Jahre alt. Wie Anna Maria nach dem Tod ihres Mannes ihre Familie durch die schwere Zeit gebracht hatte, wie die Familie nach ihrem Tod zusammenhielt – darüber gibt es bis jetzt keine Informationen. Es war üblich, die Kinder auf die Verwandtschaft aufzuteilen. Genaueres kommt vielleicht noch zutage.

Die drei Mädchen der Familie und Johann Michael heirateten alle Mitglieder der Familie Allgeier. Ob Maria Elisabetha (12;13) mit ihrem Mann Ulrich Allgeier, der Küfer war, die Küferwerkstatt des Johannes übernommen hat, ist durchhaus möglich, aber noch nicht verifiziert.                                                                                       Der älteste Sohn von Johannes (11;12) und Anna Maria, Johann Michael (12;10) und seine Frau Susanna Margareta geb. Allgaier blieben in Dühren wohnen. Er war bei der Hochzeit 22 Jahre alt. Sie übernahmen die elterliche Landwirtschaft. Die heute lebenden Dührener Wolfhards gehen auf sie zurück.
Sein fünf Jahre jüngerer Bruder Johann Georg (12;15) heiratete im Juni 1805 nach Michelfeld. Ein Monat nach seiner Hochzeit wurde er 21 Jahre alt. Seine Frau war Katharina Margaretha Elisabetha Lutz. Johann Georg Wolfhard und seine Frau Elisabetha geb. Lutz sind Stammeltern aller Michelfelder Wolfhards.
Der jüngste Bruder, Johannes (12;16) lernte das Schmiedehandwerk und heiratete Barbara Volz aus Weiler. Auch diese Familie blieb in Dühren wohnen. Auf Joannes und Barbara geht ein anderer Zweig des Dührener Wolfhard-Clans zurück. Weitsichtig ließen die beiden ihren jüngsten Sohn Johann Georg (13;30) studieren, der dann als Pfarrer von Ihringen (Kaiserstuhl) Dekan des Kirchenbezirks Freiburg wurde. (1830 bis 1907) (5)  Nachkommen leben in Singen am Hohentwiel und in Kanada.


Anmerkungen:

(1) Evang Kirchenbuch Dühren, Sterbeeintrag vom 15-06.1794

(2) Ebd. Sterbeeintrag vom 03.01.1795: "Magdalena Eichholz war vor den Franzosen aus Neustadt a.d. Haardt geflüchtet und beim Schneider Johannes Allgeier untergekommen und da an Gicht gestorben."

(3) Ebd. Sterbeeintrag vom 05.01.1796.

(4) Ebd. Sterbeeintrag vom 12.12.1797.

(5) Heinrich Neu: Pfarrerbuch der Evang. Kirche Badens, Tei II Seite 577